Was bedeutet der erste CBAM-Zertifikatspreis für Aluminium- und Zementimporte in die EU?
Die Europäische Kommission hat den ersten CBAM-Zertifikatspreis für Q1 2026 mit 75,36 € pro Tonne CO₂ veröffentlicht. Im Jahr 2026 werden die CBAM-Zertifikatspreise vierteljährlich veröffentlicht. Ab 2027 wird erwartet, dass sie auf eine wöchentliche Basis umgestellt werden. Das endgültige CBAM-Regime trat am 1. Januar 2026 in Kraft, während der tatsächliche Kauf von Zertifikaten ab Februar 2027 beginnt, um die Importe des Jahres 2026 abzudecken. Für Importeure und Händler bedeutet dies, dass CO₂ nun einen offiziellen Referenzpreis hat, der in Landed-Cost-Modelle für CBAM-Waren, die in die EU eingeführt werden, integriert werden kann. (Europäische Kommission)
Der CBAM deckt derzeit sechs Sektoren ab: Zement, Aluminium, Düngemittel, Eisen und Stahl, Wasserstoff und Elektrizität. Für Unternehmen, die in den Lieferketten von Aluminium, Klinker und Zement tätig sind — wo Petrolkoks ein wichtiger Produktionsfaktor ist — ist die Veröffentlichung des ersten Zertifikatspreises nicht nur ein regulatorisches Update. Sie ist ein kommerzieller Input. Detaillierte Durchführungsbestimmungen, Benchmarks und Standardwerte für die endgültige Phase wurden bereits von der Kommission veröffentlicht, was bedeutet, dass der Preisrahmen nun deutlich konkreter ist als während der Übergangsphase. (Europäische Kommission)
CO₂ wird Teil der Einstandskosten
Für viele Importströme ist die praktische Frage nicht mehr, ob CBAM relevant ist, sondern wie viel es pro Tonne hinzufügt und wie sich dies auf Beschaffungsentscheidungen auswirkt. Ein Käufer, der zwei Nicht-EU-Lieferanten vergleicht, kann denselben Basisrohstoffpreis sehen, doch die tatsächlichen Kosten können auseinandergehen, sobald eingebettete Emissionen, anwendbare Benchmarks und ein bereits im Ursprungsland gezahlter CO₂-Preis berücksichtigt werden. Der erste veröffentlichte CBAM-Zertifikatspreis liefert dem Markt einen nutzbaren Referenzpunkt für diese Berechnungen. (Europäische Kommission)
Sowohl Aluminium als auch Klinker/Zement sind an entscheidenden Punkten ihrer Produktionsketten auf Petrolkoks angewiesen. Bei der Aluminiumschmelze wird anodenfähiger Petrolkoks kalziniert und zu Kohlenstoffanoden geformt, die während der Elektrolyse verbraucht werden und allein etwa 1,5 tCO₂ pro Tonne Aluminium an direkten Prozessemissionen freisetzen. Bei der Klinkerherstellung wird brennstofffähiger Petrolkoks aufgrund seines hohen Heizwerts und seiner Kosteneffizienz häufig als Ofenbrennstoff eingesetzt und trägt direkt zu verbrennungsbedingten CO₂-Emissionen bei, zusätzlich zu den Prozessemissionen aus der Kalkstein-Kalzinierung. Diese gemeinsame Abhängigkeit von Petrolkoks macht die CBAM-Preisbildung besonders relevant für Akteure entlang beider Wertschöpfungsketten.
Grundlegende Bruttoberechnung: illustrative Belastung in EUR pro Tonne
Der einfachste Ausgangspunkt ist:
Brutto-CBAM-Kosten pro Tonne Produkt = eingebettete Emissionen (tCO₂/t) × 75,36 €
Die folgenden Beispiele dienen nur zur Veranschaulichung. Sie stellen weder rechtliche Benchmarks noch Standardwerte der Kommission dar. Es handelt sich um einfache Preisszenarien, um die Größenordnung zu verdeutlichen.
| Produkt | Illustrative eingebettete Emissionen | Brutto-CBAM-Kosten bei 75,36 € |
| Aluminium | 8,0 tCO₂/t | 602,88 €/t |
| Klinker / Zement | 0,7 tCO₂/t | 52,75 €/t |
Auf dieser Ebene ist die erste Schlussfolgerung eindeutig. Aluminium ist pro Tonne am stärksten CO₂-sensitiv, während Klinker/Zement in absoluten €/t-Werten niedriger erscheinen. Dennoch kann selbst eine geringere €/t-Belastung bei Zement und Klinker wirtschaftlich relevant sein, da die Margen oft geringer sind und der Produktwert pro Tonne niedriger ist. Da Zement auf europäischen Märkten typischerweise bei 80–120 €/t gehandelt wird, würde eine volle Bruttobelastung von etwa 53 €/t einen erheblichen Anteil am Lieferpreis ausmachen.
Warum die tatsächliche Belastung 2026 unter dem Bruttowert liegen kann
Für 2026 entspricht die zahlbare CBAM-Belastung nicht immer der oben dargestellten vollständigen Bruttoberechnung. Die Kommission hat erklärt, dass die Berechnung drei Hauptelemente umfasst:
- eingebettete Emissionen,
- Anpassung durch kostenlose Zuteilung,
- bereits in einem Drittland gezahlter CO₂-Preis, sofern zutreffend.
(Europäische Kommission)
Das veröffentlichte Beispiel der Kommission ergibt folgende Formel für 2026, bevor ein im Ursprungsland gezahlter CO₂-Preis berücksichtigt wird:
CBAM-relevante Emissionen = eingebettete Emissionen – CBAM-Benchmark × CBAM-Faktor
Im Beispiel der Kommission gilt: Wenn die eingebetteten Emissionen 1,2 tCO₂/t Produkt betragen, der relevante Benchmark 1,0 tCO₂/t beträgt und der CBAM-Faktor für 2026 bei 97,5 % liegt, ergeben sich:
1,2 – 1,0 × 0,975 = 0,225 tCO₂/t
Das entspricht nur etwa 19 % der eingebetteten Emissionen. Beim Zertifikatspreis von 75,36 € ergibt sich:
0,225 × 75,36 = 16,96 €/t Produkt
(Europäische Kommission)
Dies ist ein wichtiger kommerzieller Punkt. Die Bruttozahl bleibt für Marktanalysen nützlich, doch die tatsächlich zu zahlende Belastung 2026 kann deutlich niedriger sein, abhängig von Benchmark und Zuteilungsmechanismus.
Abzug für im Ursprungsland gezahlten CO₂-Preis
Die Kommission hat zudem klargestellt, dass ein autorisierter Anmelder eine Reduktion der abzugebenden Zertifikate geltend machen kann, sofern im Ursprungsland bereits ein CO₂-Preis gezahlt wurde und dies nachgewiesen werden kann. (Europäische Kommission)
Eine vereinfachte Darstellung zeigt die Richtung: Wenn im obigen Beispiel bereits 10 €/tCO₂ gezahlt wurden, reduziert sich die Belastung um etwa 2,25 €/t auf rund 14,71 €/t.
Was bedeutet das konkret für Aluminium und Zement?
Aluminium weist mit etwa 603 €/t die höchste Bruttobelastung auf. Selbst nach Anpassung bleibt die Belastung im Verhältnis zu Marktpreisen signifikant. Lieferanten mit niedrigeren Emissionen werden attraktiver.
Klinker und Zement haben eine geringere absolute Belastung (~53 €/t), jedoch höhere relative Auswirkungen auf die Preisstruktur.
Auswirkungen auf den EU-Markt
Erstens, CO₂ wird ein klarer Kostenfaktor.
Zweitens, Lieferantenauswahl verändert sich.
Drittens, Vertragsstrukturen werden komplexer.
Fazit
Der erste CBAM-Preis liefert erstmals einen offiziellen Referenzwert für CO₂-Kosten in Importen.
Für Aluminium und Zement bedeutet dies: Preise hängen nicht mehr nur von Produkt und Transport ab, sondern auch von Emissionen und CO₂-Kosten.
Für Händler beginnt hier die praktische Herausforderung: die Trennung von nominalem Preis und CO₂-adjustierten Gesamtkosten.



