Europas Biodiesel-Rohstoffmix: Was der EBB-Statistikbericht zeigt – und worauf Käufer als Nächstes achten sollten
Das European Biodiesel Board (EBB) veröffentlicht einen jährlichen Statistikbericht zu Produktion, Verbrauch, Rohstoffeinsatz und Handelsströmen für Biodiesel, HVO und bioSAF in der EU. Für Beschaffungsfachleute, Händler und Compliance-Teams im europäischen Biokraftstoff-Rohstoffmarkt ist der Bericht eine der verlässlichsten aggregierten Datenquellen zur tatsächlichen Struktur des Rohstoffmixes.
Dieser Beitrag beleuchtet, was die neuesten EBB-Daten über den Biodiesel-Rohstoffmix in der EU zeigen, ergänzt relevanten regulatorischen Kontext und leitet kommerzielle Implikationen für Einkäufer ab, die FAME, UCOME oder HVO oder deren zugrunde liegende Rohstoffe beziehen.
EU-Biodieselproduktion und -nachfrage: Die wichtigsten Kennzahlen
Die Mitgliedsunternehmen des EBB repräsentieren etwa 65 % der Produktion von Biodiesel, HVO und bioSAF in der EU, wodurch der Bericht eine solide Grundlage für Marktanalysen darstellt.
Die FAME-Produktion in der EU-27 erreichte 2025 10,5 Millionen Tonnen, während die HVO-Produktion bei 3,9 Millionen Tonnen und HEFA bei 0,30 Millionen Tonnen lag. Auf der Nachfrageseite betrug der Bedarf in der EU-27 für FAME 12,24 Millionen Tonnen, für HVO 3,89 Millionen Tonnen und für HEFA 1,23 Millionen Tonnen.
Die Differenz zwischen Produktion und Verbrauch von FAME in der EU – etwa 1,7 Millionen Tonnen – spiegelt die weiterhin bestehenden Importströme in den EU-Markt wider, hauptsächlich aus Drittstaaten.
Die zentrale Entwicklung: Rohstoffmix und der Wandel hin zu Abfallbasierten Rohstoffen
Die kommerziell bedeutendste Erkenntnis der EBB-Daten ist die Zusammensetzung des Rohstoffmixes für in der EU-27 konsumiertes FAME und HVO.
Abfall- und Reststoffbasierte Rohstoffe gemäß Anhang IX Teil A und B der Erneuerbare-Energien-Richtlinie machen mittlerweile etwa 53 % des gesamten Rohstoffvolumens aus – das erste Mal, dass Abfallrohstoffe aggregiert die pflanzenbasierten Inputs im EU-Markt übersteigen.
Die Aufschlüsselung innerhalb dieses Anteils:
- Rapsöl bleibt mit etwa 33 % des Gesamtvolumens der wichtigste Rohstoff.
- Rohstoffe gemäß Anhang IX Teil A(d) – hauptsächlich tierische Fette der Kategorie 2 und 3 – machen rund 21 % des Gesamtvolumens aus.
- Altspeiseöl (UCO) macht etwa 16,5 % des gesamten Rohstoffvolumens aus.
- Weitere Abfall- und Reststoffströme, einschließlich Speiseabfallölen, Säureölen und Tallöl, bilden den restlichen Anteil des Anhang-IX-Beitrags.
FAME und HVO unterscheiden sich strukturell in ihren Rohstoffprofilen. FAME weist weiterhin einen pflanzenbasierten Anteil von rund 48 % auf, während Anhang IX A+B 52 % ausmacht. HVO ist deutlich stärker auf Reststoffe ausgerichtet: pflanzenbasierte Rohstoffe machen nur 9 % aus, während Anhang IX Teil A bei 36 % liegt.
Regulatorischer Kontext: RED III und die Unionsdatenbank
Die Rohstoffdaten müssen im Zusammenhang mit dem regulatorischen Rahmen betrachtet werden, der den Rohstoffwert aktiv verändert. Im Rahmen von RED III müssen EU-Mitgliedstaaten bis 2030 entweder einen Anteil von 29 % erneuerbarer Energie im Verkehr erreichen oder die Emissionsintensität von Kraftstoffen um 14,5 % reduzieren. Ein Teilziel von 5,5 % umfasst fortschrittliche Biokraftstoffe und erneuerbaren Wasserstoff. Unser Beitrag zu Deutschlands Kraftstoffzielen erläutert die nationale Umsetzung.
Rohstoffe gemäß Anhang IX – UCO, tierische Fette, Speiseabfallöle, FFA, Tallöl – bieten im Rahmen von RED III den Vorteil einer doppelten Anrechnung: Eine Tonne Kraftstoff aus Anhang-IX-Rohstoffen zählt doppelt auf die Ziele der Mitgliedstaaten für erneuerbare Energien im Verkehrssektor an. Dadurch entsteht für Abfallrohstoffe ein regulatorischer Aufschlag, der zusätzlich zu ihrem Energiewert hinzukommt.
Die Unionsdatenbank, gestartet im November 2024, entwickelt sich schrittweise zur zentralen Infrastruktur für die Rückverfolgbarkeit zertifizierter Biokraftstoffströme in der EU und umfasst rund 31.000 zertifizierte Wirtschaftsteilnehmer.
Weitere Marktindikatoren
Eurostat-Daten für 2024 zeigen, dass erneuerbare Energien 11,2 % des Energieverbrauchs im Verkehr der EU ausmachen, gegenüber 10,9 % im Jahr 2023. Die Preisimplikationen wurden in unserem Beitrag zu Marktchancen durch steigende Kraftstoffpreise analysiert.
Kommerzielle Implikationen für Rohstoffeinkäufer
Die EBB-Daten bestätigen einen Trend: Der Einkauf von Rohstoffen im EU-Biokraftstoffmarkt ist heute kein reines Preis-Thema mehr, sondern ein compliance-getriebener Beschaffungsprozess.
- RED-Konformität und Klassifizierung: Ist der Rohstoff gemäß RED III als Anhang IX anerkannt?
- THG-Einsparungen: Erfüllt der Rohstoff die Mindestanforderungen (typisch 65 %)?
- Zertifizierung: ISCC, REDcert, SURE oder gleichwertig?
- Technische Qualität: FFA-Gehalt, Feuchtigkeit, Verunreinigungen
Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag zu Biodieselqualität sowie zu Biokraftstoffen der ersten und zweiten Generation.
Wie Prime Elements unterstützen kann
Prime Elements liefert eine Reihe von Rohstoffen für Biokraftstoffe, darunter gebrauchtes Speiseöl (UCO), tierische Fette der Kategorien 2 und 3, freie Fettsäuren (FFA), Tallöl, Speiseabfallöle und Rapsöl sowie verarbeitete Biokraftstoffprodukte wie FAME und UCOME. Alle Materialien werden mit RED-III-konformen Unterlagen und einer ISCC-Zertifizierung oder einer gleichwertigen Zertifizierung geliefert.
Prime Elements verfügt über eine deutsche Registrierung gemäß der EU-Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 für den Handel mit ausgeschmolzenen Fetten der Kategorie 2 und gebrauchtem Speiseöl der Kategorie 3. Weitere Informationen finden Sie in unserer Registrierungsmitteilung. Kontaktieren Sie unser Team, um die Beschaffung von Rohstoffen und die Zertifizierungsanforderungen zu besprechen.



